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Minderung bei zu geringer Wohnfläche: Auch bei weniger als 10% Abweichung!

Der Käufer darf mindern. Die Wohnung sollte nach der Vereinbarung der Parteien 111,59 qm groß sein. Durch die Anforderung der Wohnflächenberechnung hat der Käufer zu erkennen ergeben, dass es für ihn entscheidend auf die Wohnungsgröße ankommt. Danach ist eine konkludente Vereinbarung über die Soll-Beschaffenheit getroffen. Unschädlich ist, dass diese Abrede über das Vertragssoll nicht beurkundet wurde. Der Formmangel ist durch Eintragung im Grundbuch geheilt. Ein Mangel ist nicht deshalb zu verneinen, weil die Flächenabweichung geringer als 10% ist. Zwar ist im Mietrecht anerkannt, dass erst eine Flächenabweichung von über 10% einen Mangel der Mietsache begründet. Diese Schwelle beruht jedoch darauf, dass die Minderung im Mietrecht nicht auf eine unerhebliche Minderung der Gebrauchstauglichkeit gestützt werden kann. Eine entsprechende Einschränkung kennt die Minderung im Werkvertrags- und Kaufrecht nicht. Allein der Rücktritt ist im Falle einer unerheblichen Pflichtverletzung ausgeschlossen. Auch der BGH (IBR 1997, 409) hat dies nicht anders entschieden, sondern nur ausgeführt, dass jedenfalls ab einer Abweichung von mehr als 10% ein Mangel vorliegt. Dem lässt sich eine Erheblichkeitsschwelle nicht entnehmen.

Die Erheblichkeitsschwelle von 10% spielt nicht nur im Mietrecht eine Rolle, sondern z. B. auch für die Frage, ob Kraftstoffmehrverbrauch eines Neuwagens einen Mangel darstellt. Ob es hier entscheidend auf diese Schwelle ankommt, ist fraglich. Denn der entschiedene Fall ist dadurch geprägt, dass sich die Abweichung in einem Zimmer "konzentriert", dessen Fläche fast halbiert ist. Die Minderung kann nach OLG Celle (IBR 1999, 468) so berechnet werden, dass aus Kaufpreis und geschuldeter Fläche der Quadratmeterpreis ermittelt wird, um diesen mit der Flächendifferenz zu multiplizieren.

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03.04.2020

Entschädigung bei Baustillstand !

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat mit seiner Entscheidung vom 30.01.2020 die lang umstrittene Frage beantwortet, welchen Inhalt der Entschädigungsanspruch nach § 642 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) hat (AZ. VII ZR 33/19). Die Entscheidung birgt gerade mit Blick auf die Coronakrise erheblichen Sprengstoff.

Der Besteller ist bei einem Werkvertrag so in den Herstellungsprozess eingebunden, dass es regelmäßig seiner Mitwirkung bedarf. Je nach Vertragsgestaltung muss er Pläne erstellen und Genehmigungen beschaffen. Vor allem aber muss er ein baureifes Grundstück zur Verfügung stellen, da ohne Baustelle zwangsläufig nicht gebaut werden kann.

Unterbleibt eine erforderliche Mitwirkung muss der Unternehmer seine Produktionsmittel, also Personal, Geräte und Kapital weiter leistungsbereit halten, ohne dass er damit auf dieser Baustelle wirtschaftlich tätig sein kann. Für dieses Bereithalten soll er nach § 642 BGB entschädigt werden.

Die Berechnung des Entschädigungsanspruchs war lange umstritten. Mit seiner Entscheidung, die zu Klassikern der Baurechtsprechung zählen wird, bringt der BGH nunmehr Licht ins Dunkel.
27.03.2020

Ist Corona höhere Gewalt ? Greifen die Force-Majeure-Klauseln ?

Unternehmen, die Ihre Produkte aus dem Ausland beziehen, insbesondere aus China oder Italien sehen sich derzeit mit Lieferproblemen und erheblichen Verzögerungen konfrontiert. Kann sich der Lieferant auf höhere Gewalt [Force Majeure] berufen? Dann wäre die Folge eine zumindest vorübergehende Befreiung von der Leistungspflicht und ein gleichzeitiger Ausschluss von Schadensersatzverpflichtungen. Oder haftet der Lieferant wegen verzögerter oder unterbliebener Lieferung auf Schadensersatz? Diese Fragen ziehen sich durch die gesamte Lieferkette.

Das UN-Kaufrecht / CISG sowie das Common Law [USA, UK, C etc.] sind tendenziell Lieferanten-freundlich und legen den Force-Majeure-Begriff großzügiger aus als die Civil Law-Systeme [D, F, I, E etc.]. Auch das chinesische Recht ist großzügiger und Lieferanten-freundlich. Bei der Anwendung deutschen Zivilrechts wird es auf den Einzelfall und den Wortlaut der Force-Majeure-Klausel ankommen. Sind Begriffe wie Epidemie, Seuche, Krankheitswelle o.ä. enthalten, stehen die Chancen für den Lieferanten sehr gut, von der Leistungspflicht befreit zu werden. Der Bundesgerichtshof definiert höhere Gewalt als "von außen kommendes, keinen betrieblichen Zusammenhang aufweisendes, auch durch äußerste vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht abwendbares Ereignis" [BGH, Urt. v. 16.05.2017, Az. X ZR 142/15]. Je allgemeiner die Definition, desto eher kann sich der Lieferant auf höhere Gewalt berufen. Nach dieser BGH-Definition wäre die derzeitige Pandemie ohne weiteres als höhere Gewalt einzustufen. Ergänzend werden sich Lieferanten wohl auf zumindest vorübergehende Unmöglichkeit [275 BGB] berufen können.
04.03.2020

VW-Mustervergleich, Cui bono ?

Am 28.02.2020 gab der Verbraucherzentralen-Verband [vzbv] bekannt, dass über die Musterfeststellungsklage ein Vergleich mit VW erzielt wurde. Der geschlossene Vergleich überlässt den Verbraucher∗innen die Wahl: Sie können diesen bis zum 20. April 2020 akzeptieren, wobei je nach Fahrzeugtyp und Modelljahr Entschädigungssummen von 1.350 bis 6.257 Euro anfallen. Die Kosten der rechtlichen Erstberatung zu dem Vergleich in Höhe von 190 Euro netto übernimmt VW – allerdings nur, wenn die betroffene Verbraucherin den Vergleich annimmt. Der vzbv nimmt als Kläger die MFK zurück. Dabei haben VW und vzbv wohl bereits eine Vorauswahl der Berechtigten getroffen: Es erhalten nur rund 260.000 Verbraucher∗innen überhaupt ein Angebot. Der Vergleich entstand auch aus dem Druck, dass VW diesen gerne schließen wollte, bevor der BGH sich im Verhandlungstermin in einer Einzelklage Anfang Mai äußert.

Der vzbv gibt dabei offen zu, dass dieses Angebot „nicht großzügig“ ist. Das zeigt bereits ein Blick über den Atlantik, wo VW an ca. 480.000 Klein- und Mittelklassewageneigentümer eine Entschädigungssumme zwischen 5.100 und 10.000 Dollar zahlte – zusätzlich zum Rückkauf- und Reparaturangebot.